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Französische Empire Pendule
um 1790
-  im Stil des Louis-Seize XVI -
 
Französisches Pendulenwerk
in der größeren Bauart von 11 cm Durchmesser
von S. MARTIE et Ci.
 
14 Tg. Gehwerk, Schloßscheiben-Schlagwerk auf Bronzeglocke.
Pendel m. Fadenaufhängung.
Fein ausgearbeitete Zeiger m. Vogelmotiven.
Email-Zifferblatt bez.
VIEL-ROBIN A. PARIS
 
Vermutlich handelt es sich um den Uhrmacher
Robin Viel = Viel-Robin, Paris.
Horloger du Jardin du Roi.
Es gibt mehrere Uhrmacher diesen Namens in Paris,
leider ohne Jahresangabe.
QUELLE: Tardy Dictionaire des Horlogers Francais -
Uhrmacherverzeichnis Frankreich
und der Schweiz. Frankreich 1971.
 
Gehäuse aus weißem Marmor.
Sockelplatte mit 3 Postamenten auf 4 Kreiselfüßen.
Trommelförmiges Uhrgehäuse zwischen
Volutenstützen mit Adlerkopfendigung.
Vasenbekrönung, Kettenbehang und
Applikationen aus Bronze/Messing und vergoldet.
 
Durchmesser:  Zifferblatt  13 cm   Werk 11 cm
Höhe: 42 cm   Breite: 32,5 cm   Tiefe 11,5 cm
 
Der interessante Aufbau dieser französischen Pendeluhr ist in der Art des Louis-seize - der Kunstepoche von 1770-1795 - ausgeführt worden.
Hier sind die typischen klassizistischen Merkmale der Zeit von 1780 - 1830 zu sehen. Die Uhr ist aber vermutlich erst um 1830 - im Stil des Louis-seize - entstanden.
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Die Sockelplatte sowie die 3 Postamente bestehen aus fast weißem MARMOR. Die Sockelplatte steht auf typischen Kreiselfüßen. Das Uhrgehäuse sitzt zwischen Volutenstützen, welche am Ende als fein ausgearbeitete Adlerköpfe enden.
Der obere Abschluß wird durch eine Vasenbekrönung mit Blütenaufsatz aus vergoldeter Bronze gebildet. Die beiden äußeren Postamente sind mit kunstvollen Bronzeapplikationen verziert. Diese stellen ein urnenähnliches Gefäß mit einer wehenden Flamme und Seitenteilen als Widderkopf dar.
Reichlicher Zierrat wie Kettenbehang, Trotteln, Perlenverzierung der Kanten usw.
Aber wo ist das Pendel?
Es versteckt sich kunstvoll hinter dem mittleren Postament und ist nur zu sehen, wenn man die Uhr von der Seite betrachtet.
 
 Uhrwerk und Zifferblatt  (umfangreiches Fotomaterial dazu hier)
 
Sehr großes französisches Pendulenwerk mit BROCOT-Hemmung und Stahlpaletten. Dadurch genauere Gangresultate als bei den gewöhnlichen Ankerhemmungen welche bei franz. Pendulenwerken normalerweise verwendet wurden.
Der Werkdurchmesser beträgt 11 cm, statt normalerweise nur 8 cm bei franz. Pendulen.
 
Der Hersteller ist S. MARTIE et Ci. (Bez. des Herstellers durch Schlagstempel auf der Platine)
Schlagwerk mit der üblichen Schloßscheibensteuerung, Schlag zur halben und vollen Stunde auf eine Bronzeglocke.
Das Pendel ist fadenaufgehängt, Regulierung direkt am Pendel.
 
Email-ZIFFERBLATT mit der Bezeichnung: VIEL-ROBIN A. PARIS.
Arab. Ziffern und arab. Minuterie am Rand.
 
Vermutlich handelt es sich um den Uhrmacher Robin Viel = Viel-Robin, Paris.
Horloger du Jardin du Roi. Es gibt mehrere Uhrmacher diesen Namens in Paris, leider ohne Jahresangabe. QUELLE: Tardy Dictionaire des Horlogers Francais - Uhrmacherverzeichnis Frankreich und der Schweiz. Frankreich 1971
 
Die Messing-Zeiger sind kunstvoll gesägt, der Stundenzeiger zeigt fein ausgearbeitete Vogelmotive - fast nur mit der Lupe zu erkennen.
 
Restaurierung  (umfangreiches Fotomaterial dazu hier)
 
Totale Demontage aller Marmorelemente.
 
Ausbohren aller Holzdübel in welchen die Bronzeapplikationen befestigt waren. Anschließendes Erneuern aller Holzdübel, welche dafür extra angefertigt wurden.
Chem. entfernen starker Rostflecken auf Teilen der Marmoroberfläche.
 
 
 
Wie entfernt man Rostflecken auf Marmor?
 (umfangreiches Fotomaterial dazu hier)
 
Kompressen (hier Schmink-Pads) mit einer konzentrierten Wasserstoffperoxid-Lösung
(30%) und einigen Tropfen Salmiakgeist (hier 10%ige Lösung) tränken.
Auf die Schadstellen auflegen. Evt. mit einer Folie abdecken und je nach Stärke der
Rostflecken einige Stunden oder 1 Tag einwirken lassen.
Diesen Vorgang evt. mehrmals wiederholen!
 
Die Rostverfärbung wird herausgezogen, der Marmor etwas heller gebleicht.
Um Helligkeitsunterschiede mit nicht behandelten benachbarten Flächen
zu vermeiden, sollte eigentlich die kompl. Fläche so behandelt werden.
In meinem Fall war diese Behandlungsmethode sehr erfolgreich.
 
 
Im vorderen Bereich der Marmor-Sockelplatte waren lks. und re. zwei ausgebrochene Fehlstellen. Diese wurden
speziell ausgebessert. Optisch jetzt kaum noch zu erkennen.
(Siehe Fotos)
 
Totale Demontage und Neumontage aller Metallteile.
Kompl. Reinigung, z.T. neue Vergoldung, Neuanfertigung von 3 Messingapplikationen mit Vergoldung im vorderen
Bereich der Sockenplatte.
 
Totale Demontage des Uhrwerks.
Reinigung, Zusammenbau, Justage, Testläufe.
 
  
 
Bildergalerie       Zum Vergrößern auf das Foto klicken, es öffnet sich ein 2. Fenster !
 
Louis-Seize Uhr 04.jpg
Louis-Seize Uhr 05.jpg
Louis-Seize Uhr vorher 06.jpg
Ansicht vorn/oben
Ansicht von der Seite
Rost Verfärbungen
auf der Marmor Sockelplatte
vor der Restaurierung
 
 
 
Louis-Seize Uhr vorher 05.jpg
Louis-Seize Uhr vorher 08.jpg
Louis-Seize Uhr vorher 07.jpg
Rost Verfärbungen
auf der Marmor Sockelplatte Detail
vor der Restaurierung
Rost Verfärbungen
auf der Marmor Sockelplatte Detail
vor der Restaurierung
Rost Verfärbungen
auf der Marmor Sockelplatte Detail
vor der Restaurierung
 
 
 
Louis-Seize Uhr 16.jpg
Louis-Seize Uhr 14.jpg
Louis-Seize Uhr 15.jpg
Chem. Entrfernen/Bleichen
der Rostflecke
während der Restaurierung
Rostflecke (fast) entfernt
Rostflecke (fast) entfernt
Detailansicht
 
 
 
Louis-Seize Uhr 20.jpg
Louis-Seize Uhr vorher 09.jpg
Louis-Seize Uhr 08.jpg
Beispiel - Erneuern der Holzdübel für
die Befestigung der Bronze-Zierteile
Sockelplatte re. Seite mit
Beschädigung des Marmor
vor der Restaurierung
Sockelplatte re. Seite
nach der Restaurierung
 
 
 
Louis-Seize Uhr 11.jpg
Louis-Seize Uhr 09.jpg
Louis-Seize Uhr 12.jpg
Sockelplatte re. Seite
Detailansicht
nach der Restaurierung
Ansicht untere Seite
nach der Restaurierung
Ansicht linke Seite
nach der Restaurierung
 
 
 
Louis-Seize Uhr 24.jpg
Louis-Seize Uhr 19.jpg
Louis-Seize Uhr 18.jpg
Ansicht linkes Postament - Detail
Detail-Ansicht Bronzeapplikation
auf den Postamenten
Ansicht der demontierten Bronze/Messing Applikationen
 
 
 
Louis-Seize Uhr 10.jpg
Louis-Seize Uhr 17.jpg
Louis-Seize Uhr 22.jpg
Vasenbekrönung - Detail
Volutenstütze Adlerkopf - Detail
Uhrengehäuse zw. Volutenstützen
 
 
 
Louis-Seize Uhr 07.jpg
 
Louis-Seize Uhr 25.jpg
Louis-Seize Uhr 26.jpg
Zifferblatt - Zeiger / Glas geöffnet
Zifferblatt - Zeiger / Detail
Beachte (!) Vogelmotive
auf dem Stundenzeiger
Zifferblatt - Zeiger / Detail
Beachte (!) Vogelmotive
auf dem Stundenzeiger
 
 
 
Louis-Seize Uhr 13.jpg
Louis-Seize Uhr 27.jpg
Louis-Seize Uhr 32.jpg
Zifferblatt - Zeiger / Glas geschlossen
Uhwerkskörper von hinten
Uhrwerk von oben
Louis-Seize Uhr 30.jpg
Louis-Seize Uhr 31.jpg
Louis-Seize Uhr 34.jpg
Uhrwerk Draufsicht
11 cm Durchmesser (!)
Uhrwerk Draufsicht
11 cm Durchmesser (!)
Uhrwerk von hinten
11 cm Durchmesser (!)
 
 
 
Louis-Seize Uhr 33.jpg
Louis-Seize Uhr 28.jpg
Louis-Seize Uhr 35.jpg
Uhrwerk von vorn
Uhrwerk von hinten m. Bronzeglocke
Pendel
 
Klick hier
 
 
Empfehlenswerte Literatur zu französischen Pendulen u. Empire- Bronzependulen
Antiquarische Büchersuche z.B. hier: http://www.zvab.com/index.do   oder   http://www.abebooks.de/
 
Elke Niehüser
Die französische Bronzeuhr
 
Eine Typologie der figürlichen Darstellungen (1997) Spez. Empire Bronzependulen.
München Callwey 1997  -  ISBN 3766712772
Mit einer bebilderten Übersicht von 1365 Bronzependulen Format: 25 x 28 cm, 269 Seiten, über 1600 Fotos Dr. Elke Niehüser ist es erstmalig gelungen, die Geschichten lebendig zu machen, die sich hinter den Bronzefiguren auf den französischen Pendulen verbergen. Meist bilden Götter, Helden und allegorische Darstellungen aus der griechischen und römischen Mythologie das Zentrum dieser Darstellungen. Die unterhaltsamen, dramatischen oder berührenden Geschichten, die sich hinter den Darstellungen verbergen, sind jedoch nur wenigen bekannt.
Dieser erste Teil enthält 208 Farb- und 97 s/w-Fotos. Der zweite Teil des Buches besteht aus einer Übersicht von 1365 nachweisbaren Bronzependulen, jeweils mit s/w-Foto und mit den entsprechenden Literatur-Fundstellen
Im Anhang findet man ein Quellenverzeichnis, eine Bibliographie, ein Namensregister und einen Bildnachweis.
 
Tardy
La Pendule Française - 2e Partie:   Du Louis XVI à nos jours
Band 2: Von Louis XVI bis heute
Für die meisten Uhrenfreunde dürfte dieses der wichtigste Band des TARDY sein,
da er die Epochen Louis XVI des Directoire und Empire behandelt.
Mit folgenden Kapiteln --->
* Transition Entre les Styles Louis XV et Louis XVI
* Le Style Louis XVI (1750-1790)
* Le Directoire - Le Style Empire (1800-1830)
* Le Style Louis XVIII-Charles X (1814-1830)
* Le Style Louis Philippe et Napoleon III (1830-1870)
* Le Modern´Style ou Style 1900 (1890-1920)
 
Das Standardwerk über französische Pendulen überhaupt (!) Erstmalig ab 1963.
In versch. Auflagen im antiquarischen Handel. z.B. 1964-1969
Ca. 250 Seiten. Format: 32x24 cm.
Der gesamte Tardy besteht aus 3 Bänden.
Außerdem noch erhältlich:
Band 1 ---> De l´horloge gothique à la pendule Louis XV
Band 3 ---> Le Provinces francaises Horloges et pendules étrangères
 
 
Hans Ottomeyer und Peter Pröschel
Vergoldete Bronzen
Die Bronzearbeiten des Spätbarock und Klassizismus
 
München 1986 - 23,5 x 28 cm.  750 Seiten (Zwei Bände)  -  1080 S/W Abb. und
48 Farbtafeln. Verlag: Klinkhardt & Biermann
ISBN-10: 3781402177  und  ISBN-13: 978-3781402171
Die Bronzearbeiten des Spätbarock und Klassizismus.
Band I: Katalog der Bronzearbeiten.
Band II: Beiträge zur Geschichte und Technik der Bronzearbeiten, zu Künstlern
und Werkstätten.
 
Pierre Kjellberg
Encyclopedie de la pendule française (Paris 1997)
 
23,5 x 28,5 cm.  325 S/W Abb. - 732 farbige und 5 Zeichnungen. 526 Seiten.
Umfangreiches Nachschlagewerk zu französischen Pendulen.
ISBN: 9782859174125
A. Smith
The country life international dictionary of clocks
 
New York Putnams Sons
350 S. mit zahlreichen Abb.
Format: 30 x 23 cm.
 
 
Eric M. Moorman & Wilfried Uitterhoeve
 
Van Alexandros tot Zenobia (1989)
 
J.J.L. Haspels
 
Koninklijke Klokken in Paleis het Loo (2003)
Jean-Dominique Augarde
 
Les Ouvriers du Temps (1996)
 
Drei Bücher zur Reparatur / Restaurierung von Groß-Uhren. 
Die Beschreibung in diesen Büchern richtet sich an den Laien.
Daher kaum Vorkenntnisse nötig !  
Reparatur
antiker Pendulen
 
H. Jendritzki
Bibliothek des Schweizer Uhren
und Schmuck Journals.
Gut erklärt, mit vielen
techn. Zeichnungen.
ISBN 2-88012-010-1 - 170 Seiten.
Reparieren alter Uhren
 
Eric Smith
- Callwey-Verlag -
Eine Anleiung für Restauratoren, Sammler und Liebhaber.
Einige Zeichnungen und Fotos.
ISBN 3-7667-0376-5 - 230 Seiten.
Alte Uhren reparieren
 
Laurie Penman
- Callwey-Verlag -
Erklärt viele Grundlagen, mit div.
Zeichnungen. Tolles Buch!
ISBN 3-7667-1099-0  -  191 Seiten.
 
 Alte Großuhren reinigen,
ölen und einstellen
- Einige Tipps für den interessierten Laien -
Ersatzteile, Materialien und Werkzeuge gibt es
u.a. bei SELVA und FLUME. Siehe Link-Liste
Bei weitergehenden Reparaturen evt. ein entsprechendes
Buch kaufen. Siehe hier
 
 Ein kleines Uhren-Übersetzungswörterbuch
für Deutsch-Englisch-Französisch gibt es hier.  
 
 
Es sollte erwogen werden, das Uhrwerk total zu demontieren und zu reinigen. Schmutz und verharztes altes Öl führen zu Lagerreibung und Schwergängigkeit. Oft läuft eine Uhr nach einer Reinigung wieder zufrieden stellend.
 
Genaue Skizzen und/oder Fotos des Uhrwerks und der Lage aller Räder, Wellen, Federn usw. anfertigen.
 
Bei Uhren mit Federantrieb diese jetzt unbedingt "entspannen". Bei Nichtbeachtung kann Zerstörung des Uhrwerks drohen. Uhrwerk dazu fest einspannen. Aufzugschlüssel auf den Aufziehvierkant stecken und festhalten. Mit der anderen Hand vorsichtig die Sperre vom Sperrrad abheben, und dabei Aufzugschlüssel langsam nach links bewegen.
 
Stark ausgelaufene, also nicht mehr kreisrunde, Lagerbohrungen in den beiden Werkplatinen können jetzt "ausgebuchst" werden. Entsprechende Lager-Buchsensortimente gibt es im Handel. Zu stark ausgelaufene Lager führen zu mehr Reibung. Für diese Prozedur möglichst ein Reparaturbuch für alte Uhren studieren.
 
Fehlende Zähne an den Rädern können erneuert werden durch einlöten von Messing-Rundmaterial und anschließendem zurechtfeilen. Entsprechende Rundmessing Sortimente gibt es im Handel. (Selva)
 
Alle Räder, Triebe, Stifte demontieren und einige Zeit in ein Reinigungsbad einlegen. Ganz wichtig ist, dass alle Teile von der Reinigungsflüssigkeit bedeckt sind. (Sonst starke Verfärbung der nicht bedeckten Teile) Am besten ist es natürlich, wenn  man die Reinigung in einem Ultraschallreiniger durchführt.
 
Achtung! Bei vorhandenen Federhäusern diese nicht komplett einlegen. Sollte man unbedingt eine Reinigung innen wünschen, muss die Feder vorher ausgebaut werden. Zum Aus- Einbau der Federn am besten einen Federwinder (gibt´s im Handel z.B. bei SELVA) benutzen.
 
Man nehme eine flache Schale mit einer Lösung aus heißem Wasser, einem guten "Schuß" verdünntem Salmiakgeist und etwas flüssiger Seife oder Spülmittel.
Ca. 30-45 Minuten eingelegt lassen. Bei starken Verschmutzungen evt. mit einer weichen Bürste behandeln. Dazu die Teile mit einer Pinzette vorsichtig aus dem Bad heben, evt. reicht leichtes Schwenken.
Nach diesem Reinigungsbad die Uhrwerkteile zum Abspülen und neutralisieren in eine flache Schale mit Benzol oder Reinigungs-Benzin legen. Dort noch einmal schwenken, und mit einem fusselfreien Tuch oder Fön trocknen. Das Trocknen muss sehr gründlich erfolgen. Ich bevorzuge dazu Warmluft.
Wichtig! Eventuelle Lagerbohrungen (wenn Platinen und Brücken gereinigt wurden) mit einem dünnen runden Hölzchen (Zahnstocher?) innen reinigen.
 
Die Messing und Stahlteile können - wenn man unbedingt möchte - jetzt noch poliert werden. Man verwende dazu ein schnell rotierendes Stahlbürstchen in einer Mini-Bohrmaschine.
 
Abschließend die Teile wieder zusammenbauen und alle Lager ölen. Funktionstest des Werks außerhalb des Gehäuses durchführen.
 
Der funktionierende Zusammenbau stellt für den Anfänger die größte Herausforderung dar. Er gelingt meistens nur, wenn ausreichende Skizzen/Fotos vorher gemacht wurden. Insbesondere die richtige Justage des Schloßscheiben oder Rechen- Schlagwerkes kann Probleme bereiten. Evt. ein Uhren-Reparaturbuch zu Rate ziehen.
 
Das Nachölen älterer, mechanischer Uhrwerke ist nur dann sinnvoll, wenn alle Lagerstellen einigermaßen sauber erscheinen. Wenn die Lager jedoch größere Schmutzansammlungen aufweisen, ist es unumgänglich, zuerst das Werk zu reinigen.
 
Wenn die allgemeine Verschmutzung eines Uhrwerks nicht allzu groß ist und die Lager noch einigermaßen in Ordnung sind, kann man mit einem Feinreiniger aus der Sprühdose eine wirksame Kurzreinigung vornehmen.
Damit alle Lagerbohrungen Triebe und Räder - also das gesamte Werk einsprühen - allerdings nur gezielt mit einem Sprühröhrchen. Alte Ölreste und Schmutz - wenn nicht verharzt - sollten so herausgesprüht werden können und fließen ab.
 
Zum Beispiel den Sicherheitsreiniger (Spraydose ca. 200 ml) KALTRON 601 von Kontakt Chemie benutzen. Chem. Reinheit = 99,8 %, hinterlässt keine Spuren, trocknet schnell. Feinreiniger gibt es u.a. im Fachhandel f. elektronische Bauelemente. Z.B. Conrad Elektronik. Diese Produkte wurden früher auch zur Reinigung der Videoköpfe/Tonköpfe benutzt.
 
Dabei sollte mit dem Sprühmittel nicht gespart werden, die ganze Dose geht dabei schon drauf.
Bitte unbedingt darauf achten, dass das Mittel nicht in die Federhäuser läuft. (Französische Pendulenwerke deshalb beim Einsprühen immer mit der Zeigerseite nach unten halten während des Einsprühens)
Der Feinreiniger trocknet von selbst, man kann aber auch mit Warmluft (Fön) nachhelfen. Schmutzreste auf den Platinen sollten jetzt abgewischt werden.
Nach der "Schnellreinigung" mit Feinreiniger-Spray, das Uhrwerk mit Uhrenöl für Großuhren - z.B.  Uhrenöl No. 3-5 von Selva http://www.selva.de/ ölen.
 
 
Über das richtige Ölen von Großuhrwerken.....
Öl vermischt mit Staub verhindert die einwandfreie Kraftübertragung.
Ist eine Uhr jedoch in extremer Wärme ausgesetzt, kann das Öl – je nach Qualität – sich früher verflüchtigen, dick werden oder auch verharzen.
 
Die Folge sind Reibungsverluste in den Lagerstellen und ein schwergängiges Räderwerk, das schließlich versagt. Äußerst nachteilig wirkt sich auch Staub aus, der sich mit dem Öl vermischt. Er erzeugt eine schwarze Schmiere in den Lagern, die zu einer Schleifwirkung führen kann.
Ausgelaufene Lager und raue Wellenzapfen sind die Folgeschäden. Eine einwandfreie Kraftübertragung ist dann nicht mehr gewährleistet.
 
Lieber weniger als zuviel ölen.
Intakte, saubere Lager lassen sich nachölen. Aber auch hier können Probleme auftreten, z.B., wenn die Öle sich nicht miteinander vertragen.
 
Beim Nachölen oder beim Ölen nach einer Reinigung des Uhrwerks gilt der Grundsatz: »Lieber etwas weniger, als zuviel«. Dabei werden grundsätzlich nur die Zapfen der Räder in der vorderen und hinteren Werkplatine geölt.
Geölt werden darf prinzipiell nur dort, wo Reibung entsteht, also zunächst in den Platinenlagern.
Das Öl muss punktgenau und präzise mit einem speziellen Ölgeber dosiert an die Schmierstelle gebracht werden. Man kann auch einen dünnen Messingdraht in das Öl tauchen und dann auf die zu ölende Stelle geben.
 
In der Regel haben die Platinenlager an der Außenseite Senkungen zur Aufnahme einer geringen Ölmenge. Ein Zuviel an Schmierstoff ist schädlicher als zu wenig, denn sobald ein Tropfen von der Ölstelle wegläuft, zieht er weiteres Öl nach. Ein »überöltes« Lager läuft also schneller trocken!
Vergisst man dagegen eine Stelle zu ölen, ist erhöhter Verschleiß die Folge.
 
Die Zähne der Räder dürfen nicht geölt werden, denn Öl zieht dort verstärkt Staub an, so dass die Verzahnung bald klemmen würde.
Eine Ausnahme bildet das Gangrad – auch Steigrad genannt –, in das der Anker eingreift. Die Ankerklauen bzw. die Zahnspitzen des Steigrads mit etwas Öl oder Uhrenfett versehen. Dies bewirkt gleichzeitig eine Dämpfung des »Tick«-Geräuschs.
 
Immer das "richtige" Öl verwenden. Für Großuhren also nur Großuhrenöl, kein Öl für Taschenuhren oder Nähmaschinen etc. verwenden. Im Internet zu beziehen u.a. bei http://www.selva.de/
 
 
Abhilfe bei ungleichmäßigem Ticken.... (Abfall einstellen)
Mechanische Uhren mit Pendel sollen und müssen ein gleichmäßiges Ticken von sich geben. Es gibt Menschen, welche dieses ungleichmäßige Ticken nicht einmal hören, andere wieder stört das ungleichmäßige Tick-Tack ungemein.
Für die Uhr selbst ist ein ungleichmäßiges Ticken von Nachteil, sie geht u.U. nicht genau, und der Anker nutzt sich ungleichmäßig ab, im Extremfall bleibt die Uhr einfach stehen.
 
Bevor hier mechanisch eingegriffen wird, könnte man in leichten Fällen damit Abhilfe schaffen, die Uhr durch einseitiges Unterlegen von Filzen - links oder rechts - "schief zu stellen". Wenn es sich nur um 1-2 mm handelt, merkt man das kaum. Das Ticken ist aber wieder gleichmäßig. (Gleiches gilt für Wanduhren)
Bei den beliebten französischen Pendulen kann man u.U. auch das ganze Zifferblatt im Gehäuse drehen.
Auch hier, oft handelt es sich nur um 1-2 mm, und der Abfall ist wieder gleichmäßig.
 
 
Wenn die Uhr also "hinkt" oder "galoppiert", gibt es folgende Lösungen für dieses Problem:
 
Es gibt normalerweise 2 Konstruktionsarten wie die Pendelführung/Pendelgabel mit der Ankerwelle verbunden ist. Danach richtet sich die Problemlösung. Das sollte also vorher geklärt werden.
 
Bei Uhren, deren Ankerwelle mit der Pendelführung fest verbunden ist - sei es vernietet oder verlötet - muss die Pendelführung leicht nach links oder rechts gebogen werden.
Bitte beachten, dass die Pendelführung mit 2 Fingern festgehalten werden muss, da sonst die Gefahr besteht, dass die dünnen Ankerwellenzapfen brechen.
 
Sind Pendelführung und Ankerwelle aber nicht fest miteinander verbunden, sondern lassen sie sich gegenseitig (reibschlüssig) verdrehen, dann müssen Sie bei der Korrektur folgendes beachten:
 
     1. Das Uhrgehäuse so weit nach links oder rechts schräg hängen oder kippen, bis das
         Ticken vollkommen gleichmäßig ist.
     2. Die Pendelführung vorsichtig in Richtung der Schräglage führen, bis der Anker im
         Zahngrund des Steigrads aufsitzt und ein leichter Widerstand spürbar ist.
     3. Die Pendelführung geringfügig über den Widerstand hinaus drücken. Ist die
         Bewegungsfreiheit der Pendelführung eingeengt, muss man mit der freien Hand
         den Anker arretieren und die Uhr wieder senkrecht hängen.
     4. Das Tickgeräusch nun wieder abhören.
     5. Ist das Ticken noch immer nicht gleichmäßig, wiederholen Sie bitte den Justier-
         vorgang - falls erforderlich auch in die entgegengesetzte Richtung.
 
Präzisions-Pendeluhren besitzen oft eine speziell konstruierte Pendelführung.
Bei solchen Uhren befindet sich an der Führung eine Stellschraube oder eine Rändelscheibe zur Feineinstellung.
Mit dieser Reguliervorrichtung können Sie leicht und bequem ein gleichmäßiges Ticken einstellen.
 
Was hier beschrieben wurde, bezeichnet der Uhrmacher in seiner Fachsprache als "Abfall einstellen". Kommt von der Bewegung des Steigrads, das Zahn um Zahn "abfällt".
 
- Die Schlagfolgen bei Alten Uhren -
 
1.   Voller Stundenschlag. Nur Angabe der vollen Stunden.
Bei frühen Uhren und häufig bei Bodenstanduhren bis hinein ins 19. Jahrhundert gebräuchlich.
 
2.   Angabe der vollen und halben Stunden. Französischer Schlag genannt - wobei die halben Stunden nur mit einem Schlag angegeben werden.
Diese Form ist ab 2. Hälfte des 17. Jh. in Frankreich und auch bis heute sehr gebräuchlich. In einigen anderen Ländern aber erst ab dem 19. Jahrhundert.
In Teilen Deutschlands im 18. Jh. auch bekannt z. B. im bergischen Land, wo die halbe Stunde auf einer kleinen Glocke oder Tonfeder geschlagen wird - meistens als „passing strike“.
 
3.   Passing Strike in England auch "angerissener Schlag" oder Schlag "en passant" genannt. D.h. 1x Schlag immer zur vollen Stunde. Auslösung wird vom Gehwerk betätigt. Also kein Extra Schlagwerk.
 
4.   Comtoiser Schlag. Die Comtoise-Uhren schlagen die vollen und halben Stunden und wiederholen die volle Stunde ein paar Minuten danach. Ähnlich funktioniert der Ribotta-Schlag bei Italienischen Uhren. In Deutschland wurde früher bei Kirchturmuhren auch weit verbreitet die volle Stunde nachgeschlagen, aber unmittelbar.
 
5.   Holländischer- oder Wechsel- Schlag. Wird in England Dutch Striking genannt.
Angabe der vollen und halben Stunden jeweils mit voller Schlagzahl. Die halben Stunden werden zur Unterscheidung auf eine andere Glocke geschlagen.  Diese Bauweise war auch in England bekannt, aber um ½ wird die vergangene Stunde und nicht die kommende Stunde geschlagen.
 
6.   Dreiviertelschlag. (Auch ¾-Schlag oder Berner Schlag genannt). Alle Viertel werden angegeben und (nur) beim vierten Viertel wird die volle Stunde auf eine größere Glocke geschlagen. Im Gegensatz zur Petite Sonnerie, wo die 4 Viertelschläge NICHT geschlagen werden.
 
7.   Petite Sonnerie. Hier werden die Viertelstunden - ggfs. mit Doppelschlag auf 2 Glocken - angegeben. Zur vollen Stunde wird die Stundenzahl ohne Viertelstunden auf eine größere Glocke geschlagen.
 
8.   Grande Sonnerie. (Vor allem in Frankreich u. Schweiz gebräuchlich) Bei jeder Viertelstunde wird zuerst die volle Stunde auf eine größere Glocke und dann die Viertel (meist im Doppelschlag) angegeben - aber nicht zur vollen Stunde, hier wird die Stundenzahl ohne Viertelstunden geschlagen.
 
9.   Vierviertelschlag mit vollem Nachschlag. Auch 4/4-Schlag, Wiener Vierviertelschlag oder Wiener Vollstundenschlag genannt. Hier wird nach jedem Viertelschlag die volle vergangene Stunde nachgeschlagen.
 
- Die wichtigsten Hemmungen der Großuhren -
 
Weitergehende Infos auch bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Uhrenhemmung
 
Die Uhrenhemmung (kurz Hemmung) ist eine Baugruppe der mechanischen Räder Uhren.
Sie dient der Drehzahlstabilisierung beim Anlauf eines Federwerks, welches diese Geräte antreibt.
 
 
Die Spindelhemmung - ist die älteste (rückfallende) Hemmung an Räderuhren (Groß- und später auch Taschenuhren) Abwechselnd greifen die Lappen der Spindel in das Hemmungsrad ein, das die Form eines Kronenrades mit sägeähnlichen Spitzen hat, und lassen es um jeweils einen Zahn weiterlaufen Waag.

Die
Ankerhemmung - zusammenfassende Bezeichnung für die rückführende Haken- als auch für die ruhende Graham- oder Brocothemmung.

Die
Hakenhemmung - auch Clement - Ankergang genannt. 1680 von » William Clement eingeführte rückführende Ankerhemmung mit einem Hemmungrad, dessen Zähne senkrecht zum Trieb stehen. Der ankerförmige Teil der Hemmung gibt im Wechsel einen Zahn frei und hemmt dabei gleichzeitig den anderen.

Die
Grahamhemmung - 1710 von » George Graham erfundene ruhende Ankerhemmung für Präzionsuhren.

Die
Béthune-Hemmung - von Chevalier de Béthune 1727 entwickelte rückfallende Hemmung für Pendeluhren, die eine Variante der Spindelhemmung ist. Sie besitzt senkrecht zum trieb des Hemmungrades stehende Zähne und eine geteilte Spindel,
deren Lappen an zwei verschiedenen Wellen befestigt ist, die durch zwei Hebel miteinander in Verbindung stehen.

Die
Scherenhemmung - auch Stiftenhemmung. Von Louis Amant 1741 entwickelte ruhende Hemmung mit einem Hemmungsrad, das senkrecht zum Radstreifen stehende Stifte trägt, welche durch die hin- und hergehende Schere hindurchgeführt werden.

Die
Brocot-Hemmung - von » Louis Gabriel Brocot 1826 erstmals vorgeführte ruhende Ankerhemmung, für die er 1847 ein Patent erhielt. Die Brocot-Hemmung hat zwei senkrechte zur Fläche des Ankers stehende halbrunde Stifte aus Stahl oder häufiger aus Stein (Rubin), die als Paletten dienen. Bei französischen Pendulen ist die Brocothemmung sehr häufig in einer Aussparung des Zifferblattes sichtbar angebracht.

Die
Chronometerhemmung, von » Pierre Le Roy 1748 entwickelte freie Hemmung, die häufig in Schiffschronometern verwendet wurde. Auch heute noch wird sie gelegentlich in abgewandelter und verbesserter Konstruktion gebraucht.
Man unterscheidet die Chronometerhemmung mit Feder (meist in Schiffschronometern und anderen Großuhren) und die Chrono-meterhemmung mit Wippe (meist in Taschenuhren).
 
Bei der Chronometerhemmung mit Feder hält der an der Feder befestigte Ruhestein das Hemmungsrad an, bis der an einem Teller an der Unruhwelle befindliche Auslösestein die Feder anhebt und damit den Ruhestein aus dem Hemmungsrad herauszieht, das sich weiterdreht und mit einem Zahn auf den an dem Teller befestigten zweiten Stein, den Antriebsstein, fällt und die Unruh antreibt. Diese erhält beim zurückschwingen jedoch keinen Antrieb. Er erfolgt nur bei jeder zweiten Schwingung. (freie Hemmung)