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Große Prunkpendule von Joh. Hartmann

 
  
 
Große Prunkpendule
um 1860
Johannes Hartmann
Hofuhrmacher in Berlin von 1856 - 1872
 
 
Pendule im Louis-Quatorze-Stil. Boulle-Gehäuse
mit Marketerie aus Schildpatt und Messing.
 
Dreiseitig verglaster Uhrenkasten mit unten bauchig
ausschwingenden Seiten über Kreiselfüßen.
 
Rundbogiges Gehäuse unter separatem hutförmigem
Aufsatz und bekrönender Figur aus dem reich der Fama.
 
Reicher Behangdekor nach Art von Jean-Louis Berain.
Vergoldeter Bronzebeschlag mit Masken
und aufgelegtem Akanthus.
 
Vergoldetes, reich ornamentiertes Zifferblatt mit röm. Ziffern
auf weißen Emailreserven, und außen arabischer Minuterie.
 
Werk und Zifferblatt signiert: Joh´s Hartmann Berlin
 
 
 
 
 
 
Wer ist Johannes Hartmann?
Johannes Hartmann - Königlicher Hofuhrmacher in Berlin
                     Ladengeschäft 1856-1872 in Berlin-Mitte - Unter den Linden 49   Siehe Foto
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Am 1. Okt. 1763 gründete George Adolphe NEVIR in Berlin Unter den Linden 49 ein Uhrengeschäft. Er war Hofuhrmacher und Lieferant Friedrichs des Großen.
 
Nach 40- jähriger Aufbauarbeit übergab George Adolphe NEVIR das Geschäft 1803 seinem Mitarbeiter
B.F. SCHUNIGK.
 
Nevir selbst hatte mit einer daraufhin erworbenen Brauerei wenig Glück, da er durch Einquartierung während
der napoleonischen Kriege 1806/07 total ruiniert wurde. Er starb 1815 völlig verarmt.
 
Nachdem der zweite Eigentümer der Firma - B.F. SCHUNIGK - gestorben war, konnte der Sohn des Gründers
der Firma - DOMINIQUE NEVIR - das Uhrengeschäft wieder übernehmen.
 
Dominique NEVIR verkaufte im Jahre 1856 die Firma an JOHANNES HARTMANN.
 
Nach 16 weiteren Jahren - 1872 - mußte JOHANNES HARTMANN sich wegen eines Augenleidens zur
Ruhe setzen.
 
Der neue Besitzer hieß ab 1872 H.A. Markfeld. Auf ihn folgte 1901 Willi Hennings, und 1924 Heinrich Simon. Dessen Sohn - Arthur Simon - konnte 1938 das 175 jährige Bestehen der Firma feiern.
 
 
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Beispiel einer Signierung von Jonannes Hartmann
Klick auf das Foto zum Vergrößern
  
 
Chronologie des Uhrenhauses
Johannes Hartmann Berlin - Unter den Linden 49
Vor- und Nachbesitzer:
 
01.10.1763   -  1802/03
 
George Adolphe Nevir
 
1803 - ?
 
B.F. SCHUNIGK
 
? - 1855/56
 
DOMINIQUE NEVIR
 
1856 - 1872
 
Johannes Hartmann
Bezeichnung der Uhren 1856 - 1872:
Joh's Hartmann Berlin
 
1873 - 1901
 
H.A. Markfeld
Bezeichnung der Uhren ab 1873:
Joh's Hartmann vorm. D. Nevir
 
1901 - 1924
 
Willi Hennings
 
1924 - ?
 
Heinrich Simon
 
? - ?
 
Arthur Simon
 
Wichtig für Datierungen:
Nachdem JOHANNES HARTMANN seine Firma 1872 verkauft hatte,
firmierten die späteren Besitzer mit der Bezeichnung:
Joh's Hartmann vorm. D. Nevir.
 
Gehäuse  (umfangreiches Fotomaterial dazu hier)
 
Das Uhrengehäuse wurde Mitte des 19. Jahrh. im sog. Louis Quatorze Stil gefertigt. Dieser Hinweis bezieht sich auf den (franz.) Sonnenkönig Ludwig XIV (1643-1715). Besonders nach ihm wird diese Stilepoche als die franz. Variante des Barock und beginnenden Rokoko bezeichnet.
 
Der Korpus ist in der Art der sog. Boulletechnik gefertigt.
Benannt nach Andre-Charles Boulle, einem franz. Kunsttischler (1642-1732), der viel für Ludwig XIV. tätig war.
Die aus Italien stammende Technik hat er vervollkommnet und besteht darin, dass Muster, z.B. aus Schildpatt und Messing, zusammengeleimt werden, danach werden die Platten wieder getrennt und die Hohlformen u. Füllungen wechselweise wieder ineinandergefügt.
 
Legt man die helle Messingform in dunkles Schildpatt, spricht man von premiere-partie Arbeit.So wie bei dieser Uhr. (Umgekehrt nennt man es contre-Partie). Diese sehr arbeitsaufwendige und kostbare Technik war im 18. Jahrh. bei Möbeln sehr beliebt.
 
Der Behangdekor ist nach Art des franz. Architekten Jean-Louis Berain ausgeführt. Seine Arbeiten für Ludw. XIV. beeinflußten Ende des 1800 Jahrh. viele andere Künstler in der Ausschmückung wertvoller Möbel.
Das Gesamtgewicht der Uhr beträgt 16 Kg - Höhe 107 cm.
 
Uhrwerk (umfangreiches Fotomaterial dazu hier)
 
Das Uhrwerk ist ein typisches Produkt aus der Zeit Mitte des 19. Jahrh.
Die Ganggenauigkeit des Werks ist relativ gut, da vor dem Gangregler eine BROCOT-Hemmung eingebaut ist.
Die nach Louis Gabriel Brocot benannte Hemmung wurde von ihm 1826 vorgeführt.
1847 erhielt er ein Patent auf diese neuartige ruhende Ankerhemmung. Die Brocot-Hemmung hat zwei senkrecht zur Fläche des Ankers stehende halbrunde Stifte, welche bei diesem Werk aus Stahl gefertigt wurden.
 
Die Schlagwerkauslösung erfolgt durch ein Rechenschlagwerk.  Im Gegensatz zu den Schlossscheibenschlagwerken, lassen sich diese Rechenschlagwerke repetieren.
Auf  Wunsch kann seitlich an einer Schnur gezogen werden, worauf das Schlagwerk auslöst und die zuletzt geschlagene Stunde geschlagen wird.
 
Die Schlagzahl wird bei dieser Uhr durch eine direkt auf dem Stundenrad sitzende Stundenstaffel gesteuert. Der Schlagwerkhammer schlägt auf eine aufgerollte Tonfeder den sog. französischen Schlag; halbe und volle Stunden.
Die Pendelscheibe zeigt eine Sonne, ein Phoebus-Symbol (Gott Apoll).
 
Die beiden großen Federhäuser halten das Uhrwerk Tage ca. 14 Tage in Gang. Das Werk ist signiert mit:
J. HARTMANN HORLOGER DU ROI BERLIN   
Werk Nr. 1298  -  BREVETE S.G.D.G. (Ist Bezeichnung für ein Patent- bzw. Gebrauchsmusterschutz ! )
 

circle11_skyblue.gif Bildergalerie   Zum Vergrößern auf das jeweilige Foto klicken

 

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 Alte Großuhren reinigen,
ölen und einstellen
- Einige Tipps für den interessierten Laien -
Ersatzteile, Materialien und Werkzeuge gibt es
u.a. bei SELVA und FLUME. Siehe Link-Liste
Bei weitergehenden Reparaturen evt. ein entsprechendes
Buch kaufen. Siehe hier
 
 Ein kleines Uhren-Übersetzungswörterbuch
für Deutsch-Englisch-Französisch gibt es hier.  
 
 
Es sollte erwogen werden, das Uhrwerk total zu demontieren und zu reinigen. Schmutz und verharztes altes Öl führen zu Lagerreibung und Schwergängigkeit. Oft läuft eine Uhr nach einer Reinigung wieder zufrieden stellend.
 
Genaue Skizzen und/oder Fotos des Uhrwerks und der Lage aller Räder, Wellen, Federn usw. anfertigen.
 
Bei Uhren mit Federantrieb diese jetzt unbedingt "entspannen". Bei Nichtbeachtung kann Zerstörung des Uhrwerks drohen. Uhrwerk dazu fest einspannen. Aufzugschlüssel auf den Aufziehvierkant stecken und festhalten. Mit der anderen Hand vorsichtig die Sperre vom Sperrrad abheben, und dabei Aufzugschlüssel langsam nach links bewegen.
 
Stark ausgelaufene, also nicht mehr kreisrunde, Lagerbohrungen in den beiden Werkplatinen können jetzt "ausgebuchst" werden. Entsprechende Lager-Buchsensortimente gibt es im Handel. Zu stark ausgelaufene Lager führen zu mehr Reibung. Für diese Prozedur möglichst ein Reparaturbuch für alte Uhren studieren.
 
Fehlende Zähne an den Rädern können erneuert werden durch einlöten von Messing-Rundmaterial und anschließendem zurechtfeilen. Entsprechende Rundmessing Sortimente gibt es im Handel. (Selva)
 
Alle Räder, Triebe, Stifte demontieren und einige Zeit in ein Reinigungsbad einlegen. Ganz wichtig ist, dass alle Teile von der Reinigungsflüssigkeit bedeckt sind. (Sonst starke Verfärbung der nicht bedeckten Teile) Am besten ist es natürlich, wenn  man die Reinigung in einem Ultraschallreiniger durchführt.
 
Achtung! Bei vorhandenen Federhäusern diese nicht komplett einlegen. Sollte man unbedingt eine Reinigung innen wünschen, muss die Feder vorher ausgebaut werden. Zum Aus- Einbau der Federn am besten einen Federwinder (gibt´s im Handel z.B. bei SELVA) benutzen.
 
Man nehme eine flache Schale mit einer Lösung aus heißem Wasser, einem guten "Schuß" verdünntem Salmiakgeist und etwas flüssiger Seife oder Spülmittel.
Ca. 30-45 Minuten eingelegt lassen. Bei starken Verschmutzungen evt. mit einer weichen Bürste behandeln. Dazu die Teile mit einer Pinzette vorsichtig aus dem Bad heben, evt. reicht leichtes Schwenken.
Nach diesem Reinigungsbad die Uhrwerkteile zum Abspülen und neutralisieren in eine flache Schale mit Benzol oder Reinigungs-Benzin legen. Dort noch einmal schwenken, und mit einem fusselfreien Tuch oder Fön trocknen. Das Trocknen muss sehr gründlich erfolgen. Ich bevorzuge dazu Warmluft.
Wichtig! Eventuelle Lagerbohrungen (wenn Platinen und Brücken gereinigt wurden) mit einem dünnen runden Hölzchen (Zahnstocher?) innen reinigen.
 
Die Messing und Stahlteile können - wenn man unbedingt möchte - jetzt noch poliert werden. Man verwende dazu ein schnell rotierendes Stahlbürstchen in einer Mini-Bohrmaschine.
 
Abschließend die Teile wieder zusammenbauen und alle Lager ölen. Funktionstest des Werks außerhalb des Gehäuses durchführen.
 
Der funktionierende Zusammenbau stellt für den Anfänger die größte Herausforderung dar. Er gelingt meistens nur, wenn ausreichende Skizzen/Fotos vorher gemacht wurden. Insbesondere die richtige Justage des Schloßscheiben oder Rechen- Schlagwerkes kann Probleme bereiten. Evt. ein Uhren-Reparaturbuch zu Rate ziehen.
 
Das Nachölen älterer, mechanischer Uhrwerke ist nur dann sinnvoll, wenn alle Lagerstellen einigermaßen sauber erscheinen. Wenn die Lager jedoch größere Schmutzansammlungen aufweisen, ist es unumgänglich, zuerst das Werk zu reinigen.
 
Wenn die allgemeine Verschmutzung eines Uhrwerks nicht allzu groß ist und die Lager noch einigermaßen in Ordnung sind, kann man mit einem Feinreiniger aus der Sprühdose eine wirksame Kurzreinigung vornehmen.
Damit alle Lagerbohrungen Triebe und Räder - also das gesamte Werk einsprühen - allerdings nur gezielt mit einem Sprühröhrchen. Alte Ölreste und Schmutz - wenn nicht verharzt - sollten so herausgesprüht werden können und fließen ab.
 
Zum Beispiel den Sicherheitsreiniger (Spraydose ca. 200 ml) KALTRON 601 von Kontakt Chemie benutzen. Chem. Reinheit = 99,8 %, hinterlässt keine Spuren, trocknet schnell. Feinreiniger gibt es u.a. im Fachhandel f. elektronische Bauelemente. Z.B. Conrad Elektronik. Diese Produkte wurden früher auch zur Reinigung der Videoköpfe/Tonköpfe benutzt.
 
Dabei sollte mit dem Sprühmittel nicht gespart werden, die ganze Dose geht dabei schon drauf.
Bitte unbedingt darauf achten, dass das Mittel nicht in die Federhäuser läuft. (Französische Pendulenwerke deshalb beim Einsprühen immer mit der Zeigerseite nach unten halten während des Einsprühens)
Der Feinreiniger trocknet von selbst, man kann aber auch mit Warmluft (Fön) nachhelfen. Schmutzreste auf den Platinen sollten jetzt abgewischt werden.
Nach der "Schnellreinigung" mit Feinreiniger-Spray, das Uhrwerk mit Uhrenöl für Großuhren - z.B.  Uhrenöl No. 3-5 von Selva http://www.selva.de/ ölen.
 
 
Über das richtige Ölen von Großuhrwerken.....
Öl vermischt mit Staub verhindert die einwandfreie Kraftübertragung.
Ist eine Uhr jedoch in extremer Wärme ausgesetzt, kann das Öl – je nach Qualität – sich früher verflüchtigen, dick werden oder auch verharzen.
 
Die Folge sind Reibungsverluste in den Lagerstellen und ein schwergängiges Räderwerk, das schließlich versagt. Äußerst nachteilig wirkt sich auch Staub aus, der sich mit dem Öl vermischt. Er erzeugt eine schwarze Schmiere in den Lagern, die zu einer Schleifwirkung führen kann.
Ausgelaufene Lager und raue Wellenzapfen sind die Folgeschäden. Eine einwandfreie Kraftübertragung ist dann nicht mehr gewährleistet.
 
Lieber weniger als zuviel ölen.
Intakte, saubere Lager lassen sich nachölen. Aber auch hier können Probleme auftreten, z.B., wenn die Öle sich nicht miteinander vertragen.
 
Beim Nachölen oder beim Ölen nach einer Reinigung des Uhrwerks gilt der Grundsatz: »Lieber etwas weniger, als zuviel«. Dabei werden grundsätzlich nur die Zapfen der Räder in der vorderen und hinteren Werkplatine geölt.
Geölt werden darf prinzipiell nur dort, wo Reibung entsteht, also zunächst in den Platinenlagern.
Das Öl muss punktgenau und präzise mit einem speziellen Ölgeber dosiert an die Schmierstelle gebracht werden. Man kann auch einen dünnen Messingdraht in das Öl tauchen und dann auf die zu ölende Stelle geben.
 
In der Regel haben die Platinenlager an der Außenseite Senkungen zur Aufnahme einer geringen Ölmenge. Ein Zuviel an Schmierstoff ist schädlicher als zu wenig, denn sobald ein Tropfen von der Ölstelle wegläuft, zieht er weiteres Öl nach. Ein »überöltes« Lager läuft also schneller trocken!
Vergisst man dagegen eine Stelle zu ölen, ist erhöhter Verschleiß die Folge.
 
Die Zähne der Räder dürfen nicht geölt werden, denn Öl zieht dort verstärkt Staub an, so dass die Verzahnung bald klemmen würde.
Eine Ausnahme bildet das Gangrad – auch Steigrad genannt –, in das der Anker eingreift. Die Ankerklauen bzw. die Zahnspitzen des Steigrads mit etwas Öl oder Uhrenfett versehen. Dies bewirkt gleichzeitig eine Dämpfung des »Tick«-Geräuschs.
 
Immer das "richtige" Öl verwenden. Für Großuhren also nur Großuhrenöl, kein Öl für Taschenuhren oder Nähmaschinen etc. verwenden. Im Internet zu beziehen u.a. bei http://www.selva.de/
 
 
Abhilfe bei ungleichmäßigem Ticken.... (Abfall einstellen)
Mechanische Uhren mit Pendel sollen und müssen ein gleichmäßiges Ticken von sich geben. Es gibt Menschen, welche dieses ungleichmäßige Ticken nicht einmal hören, andere wieder stört das ungleichmäßige Tick-Tack ungemein.
Für die Uhr selbst ist ein ungleichmäßiges Ticken von Nachteil, sie geht u.U. nicht genau, und der Anker nutzt sich ungleichmäßig ab, im Extremfall bleibt die Uhr einfach stehen.
 
Bevor hier mechanisch eingegriffen wird, könnte man in leichten Fällen damit Abhilfe schaffen, die Uhr durch einseitiges Unterlegen von Filzen - links oder rechts - "schief zu stellen". Wenn es sich nur um 1-2 mm handelt, merkt man das kaum. Das Ticken ist aber wieder gleichmäßig. (Gleiches gilt für Wanduhren)
Bei den beliebten französischen Pendulen kann man u.U. auch das ganze Zifferblatt im Gehäuse drehen.
Auch hier, oft handelt es sich nur um 1-2 mm, und der Abfall ist wieder gleichmäßig.
 
 
Wenn die Uhr also "hinkt" oder "galoppiert", gibt es folgende Lösungen für dieses Problem:
 
Es gibt normalerweise 2 Konstruktionsarten wie die Pendelführung/Pendelgabel mit der Ankerwelle verbunden ist. Danach richtet sich die Problemlösung. Das sollte also vorher geklärt werden.
 
Bei Uhren, deren Ankerwelle mit der Pendelführung fest verbunden ist - sei es vernietet oder verlötet - muss die Pendelführung leicht nach links oder rechts gebogen werden.
Bitte beachten, dass die Pendelführung mit 2 Fingern festgehalten werden muss, da sonst die Gefahr besteht, dass die dünnen Ankerwellenzapfen brechen.
 
Sind Pendelführung und Ankerwelle aber nicht fest miteinander verbunden, sondern lassen sie sich gegenseitig (reibschlüssig) verdrehen, dann müssen Sie bei der Korrektur folgendes beachten:
 
     1. Das Uhrgehäuse so weit nach links oder rechts schräg hängen oder kippen, bis das
         Ticken vollkommen gleichmäßig ist.
     2. Die Pendelführung vorsichtig in Richtung der Schräglage führen, bis der Anker im
         Zahngrund des Steigrads aufsitzt und ein leichter Widerstand spürbar ist.
     3. Die Pendelführung geringfügig über den Widerstand hinaus drücken. Ist die
         Bewegungsfreiheit der Pendelführung eingeengt, muss man mit der freien Hand
         den Anker arretieren und die Uhr wieder senkrecht hängen.
     4. Das Tickgeräusch nun wieder abhören.
     5. Ist das Ticken noch immer nicht gleichmäßig, wiederholen Sie bitte den Justier-
         vorgang - falls erforderlich auch in die entgegengesetzte Richtung.
 
Präzisions-Pendeluhren besitzen oft eine speziell konstruierte Pendelführung.
Bei solchen Uhren befindet sich an der Führung eine Stellschraube oder eine Rändelscheibe zur Feineinstellung.
Mit dieser Reguliervorrichtung können Sie leicht und bequem ein gleichmäßiges Ticken einstellen.
 
Was hier beschrieben wurde, bezeichnet der Uhrmacher in seiner Fachsprache als "Abfall einstellen". Kommt von der Bewegung des Steigrads, das Zahn um Zahn "abfällt".
 
 
- Die Schlagfolgen bei Alten Uhren -
 
1.   Voller Stundenschlag. Nur Angabe der vollen Stunden.
Bei frühen Uhren und häufig bei Bodenstanduhren bis hinein ins 19. Jahrhundert gebräuchlich.
 
2.   Angabe der vollen und halben Stunden. Französischer Schlag genannt - wobei die halben Stunden nur mit einem Schlag angegeben werden.
Diese Form ist ab 2. Hälfte des 17. Jh. in Frankreich und auch bis heute sehr gebräuchlich. In einigen anderen Ländern aber erst ab dem 19. Jahrhundert.
In Teilen Deutschlands im 18. Jh. auch bekannt z. B. im bergischen Land, wo die halbe Stunde auf einer kleinen Glocke oder Tonfeder geschlagen wird - meistens als „passing strike“.
 
3.   Passing Strike in England auch "angerissener Schlag" oder Schlag "en passant" genannt. D.h. 1x Schlag immer zur vollen Stunde. Auslösung wird vom Gehwerk betätigt. Also kein Extra Schlagwerk.
 
4.   Comtoiser Schlag. Die Comtoise-Uhren schlagen die vollen und halben Stunden und wiederholen die volle Stunde ein paar Minuten danach. Ähnlich funktioniert der Ribotta-Schlag bei Italienischen Uhren. In Deutschland wurde früher bei Kirchturmuhren auch weit verbreitet die volle Stunde nachgeschlagen, aber unmittelbar.
 
5.   Holländischer- oder Wechsel- Schlag. Wird in England Dutch Striking genannt.
Angabe der vollen und halben Stunden jeweils mit voller Schlagzahl. Die halben Stunden werden zur Unterscheidung auf eine andere Glocke geschlagen.  Diese Bauweise war auch in England bekannt, aber um ½ wird die vergangene Stunde und nicht die kommende Stunde geschlagen.
 
6.   Dreiviertelschlag. (Auch ¾-Schlag oder Berner Schlag genannt). Alle Viertel werden angegeben und (nur) beim vierten Viertel wird die volle Stunde auf eine größere Glocke geschlagen. Im Gegensatz zur Petite Sonnerie, wo die 4 Viertelschläge NICHT geschlagen werden.
 
7.   Petite Sonnerie. Hier werden die Viertelstunden - ggfs. mit Doppelschlag auf 2 Glocken - angegeben. Zur vollen Stunde wird die Stundenzahl ohne Viertelstunden auf eine größere Glocke geschlagen.
 
8.   Grande Sonnerie. (Vor allem in Frankreich u. Schweiz gebräuchlich) Bei jeder Viertelstunde wird zuerst die volle Stunde auf eine größere Glocke und dann die Viertel (meist im Doppelschlag) angegeben - aber nicht zur vollen Stunde, hier wird die Stundenzahl ohne Viertelstunden geschlagen.
 
9.   Vierviertelschlag mit vollem Nachschlag. Auch 4/4-Schlag, Wiener Vierviertelschlag oder Wiener Vollstundenschlag genannt. Hier wird nach jedem Viertelschlag die volle vergangene Stunde nachgeschlagen.
 
- Die wichtigsten Hemmungen der Großuhren -
 
Weitergehende Infos auch bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Uhrenhemmung
 
Die Uhrenhemmung (kurz Hemmung) ist eine Baugruppe der mechanischen Räder Uhren.
Sie dient der Drehzahlstabilisierung beim Anlauf eines Federwerks, welches diese Geräte antreibt.
 
 
Die Spindelhemmung - ist die älteste (rückfallende) Hemmung an Räderuhren (Groß- und später auch Taschenuhren) Abwechselnd greifen die Lappen der Spindel in das Hemmungsrad ein, das die Form eines Kronenrades mit sägeähnlichen Spitzen hat, und lassen es um jeweils einen Zahn weiterlaufen Waag.

Die
Ankerhemmung - zusammenfassende Bezeichnung für die rückführende Haken- als auch für die ruhende Graham- oder Brocothemmung.

Die
Hakenhemmung - auch Clement - Ankergang genannt. 1680 von » William Clement eingeführte rückführende Ankerhemmung mit einem Hemmungrad, dessen Zähne senkrecht zum Trieb stehen. Der ankerförmige Teil der Hemmung gibt im Wechsel einen Zahn frei und hemmt dabei gleichzeitig den anderen.

Die
Grahamhemmung - 1710 von » George Graham erfundene ruhende Ankerhemmung für Präzionsuhren.

Die
Béthune-Hemmung - von Chevalier de Béthune 1727 entwickelte rückfallende Hemmung für Pendeluhren, die eine Variante der Spindelhemmung ist. Sie besitzt senkrecht zum trieb des Hemmungrades stehende Zähne und eine geteilte Spindel,
deren Lappen an zwei verschiedenen Wellen befestigt ist, die durch zwei Hebel miteinander in Verbindung stehen.

Die
Scherenhemmung - auch Stiftenhemmung. Von Louis Amant 1741 entwickelte ruhende Hemmung mit einem Hemmungsrad, das senkrecht zum Radstreifen stehende Stifte trägt, welche durch die hin- und hergehende Schere hindurchgeführt werden.

Die
Brocot-Hemmung - von » Louis Gabriel Brocot 1826 erstmals vorgeführte ruhende Ankerhemmung, für die er 1847 ein Patent erhielt. Die Brocot-Hemmung hat zwei senkrechte zur Fläche des Ankers stehende halbrunde Stifte aus Stahl oder häufiger aus Stein (Rubin), die als Paletten dienen. Bei französischen Pendulen ist die Brocothemmung sehr häufig in einer Aussparung des Zifferblattes sichtbar angebracht.

Die
Chronometerhemmung, von » Pierre Le Roy 1748 entwickelte freie Hemmung, die häufig in Schiffschronometern verwendet wurde. Auch heute noch wird sie gelegentlich in abgewandelter und verbesserter Konstruktion gebraucht.
Man unterscheidet die Chronometerhemmung mit Feder (meist in Schiffschronometern und anderen Großuhren) und die Chrono-meterhemmung mit Wippe (meist in Taschenuhren).
 
Bei der Chronometerhemmung mit Feder hält der an der Feder befestigte Ruhestein das Hemmungsrad an, bis der an einem Teller an der Unruhwelle befindliche Auslösestein die Feder anhebt und damit den Ruhestein aus dem Hemmungsrad herauszieht, das sich weiterdreht und mit einem Zahn auf den an dem Teller befestigten zweiten Stein, den Antriebsstein, fällt und die Unruh antreibt. Diese erhält beim zurückschwingen jedoch keinen Antrieb. Er erfolgt nur bei jeder zweiten Schwingung. (freie Hemmung)