Technische Details zu
Walzen-Spieldosen
Weitere Infos auf folgenden Seiten:
square30_yellow.gif  Wie man alte Walzen-Spieldosen repariert
square30_yellow.gif  Einfache Restaurierungsarbeiten an alten Walzen-Spieldosen
square30_yellow.gif  Datierung von alten Walzen-Spieldosen
square30_yellow.gif  Spieluhren-Metropole Sainte-Croix / Kleine Spieldosen / Spieldosen ab 1900
square30_yellow.gif  Technische Details zu Walzen-Spieldosen (Spieluhren) Teil 1
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Wikipedia Die freie Enzyklopädie
 
Informationen zu Spieldosen gibt es auch bei WIKIPEDIA. Sie können dort gern Ihre eigenen Erkenntnisse hinzufügen und damit der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Ich bin Urheber des Originaltextes.
http://de.wikipedia.org/wiki/Spieldose
 
 
Technische Details zu Walzen-Spieldosen
1796 - 1900
 - Teil 1 - 
Durch Anklicken der Fotos öffnet sich ein zweites Fenster
mit einer vergrößerten Darstellung !
 
walzenspielwerk_zither_liedanzeiger.jpg
Walzenspieldose mit Liedanzeiger (oben links)
Zither-Effekt Mechanik (über dem Tonkamm)
Jacot´s patented safety check verhindert das Durchdrehen der Walze bei einem Defekt (Detail rechts oben)
Ratschenaufzug zum Aufziehen des Federwerks, links außen.
Zwei Schalter zum Ein- Ausschalten des Antriebs ON-OFF (ganz rechts oben)
sowie für die Umschaltung - Melodie-Wiederholung oder Fortschaltung- alle Lieder werden kontinuierlich nacheinander gespielt.
 
Spieldosen 1796 - 1820
Die Erfindung der Musikdose geht auf den Genfer Uhrmacher Antoine Favre-Salomon zurück, welcher 1796 das Prinzip der klingenden Stahllamelle für eine musizierende Taschenuhr anwendete. Video mit Ton
 
Die eigentliche Spieldose - wie wir sie heute kennen - wurde etwa ab 1815 hergestellt. Es entstand eine neue Bauform von Musikwerken, welche in Kamin- und Wanduhren eingebaut wirden. Das sog. cartel. Damals war es eine Bezeichnung für den Sockel einer Wanduhr- wurde aber später zu einem Begriff der größeren Musikwerke an sich.
 
Im Zentrum der Spieldosenindustrie - im schweizerischen Genf und Sainte Croix - werden um 1813 ca. 3000 Stück produziert.
Das Wachstum dieser neuen Industrie ist ganz erstaunlich, sodass 1827 bereits mehr als 16500 Spieldosen hergestellt werden können.
Beispiel für ein kleines
Zylinder-Musikwerk um 1820
mit einzeln aufgeschraubten
Tonzungen in Gruppen.
So richtig ging es dann aber in 1860iger Jahren los. Enorme Mengen wurden in das Europäische Ausland und nach Übersee exportiert.
 
Eine weltweite Wirtschaftskrise zwischen 1875 - 1880 unterbrach diesen Trend abrupt. Die zweite Wachstumsphase setzte um 1878 ein und intensivierte sich ab ca. 1881.
 
Bereits 1887 ging über ein Drittel des gesamten Spieldosen-Exports nur in die USA. Innerhalb von nur 11 Jahren - zwischen 1883 - 1894 - verdoppelte sich die Jahresproduktion von 100 000 auf 200 00 Stück (!)
 Antique 5-Bell Cylinder Music Box by Paillard c. 1885  Video mit Ton
 
 
Am Ende des 19. Jahrhunderts kündigt sich erneut eine große Krise an.
Ab 1896 beginnt die Nachfrage nach Spieldosen rapide zu sinken, der Untergang einer spezialisierten Industrie steht bevor.
 
Was war geschehen?
Den Grund können Sie am Ende dieser Seite nachlesen.......
 
 
Jede Tonzunge musste einzeln angefertigt,
abgestimmt und dann auf
den Zungenbalken
aufgeschraubt werden.
 
Wie man sich denken
kann, war das eine recht mühselige Arbeit.
Beispiel für einzeln
aufgeschraubte Tonzungen
 
Schlüsselaufzug - Kraftausgleich mittels
Schneckenrad und Kette.
Zylindermasse: 164x33 mm - 3 Melodien
86 einzeln aufgeschraubte Tonzungen.
Die Basstöne sind hier links
und rechts aussen,
welches den V-förmigen Kamm bedingt.
 
> Hergestellt in Genf um 1818 <
Klick auf das Foto
zylinder_spieldose_1818_86_einzelne_tonlamellen.jpg
 
 
Beispiel für Tonzungen
in Segmenten aufgeschraubt.
 
Uhrensockel m. Musikdose
92 Töne in 2er Segmenten
> Genf um 1823 <
Klick auf das Foto
 
einzelne_tonzungen_spieldose.jpg
Wenige Jahre später gelang es aber 4 bis 5
Tonzungen aus einem Stück Stahlblech
anzufertigen, was eine große
Verbesserung darstellte.
Der Tonkamm bestand hier aus einzelnen
kleinen Tonkämmen, also völlig
separaten Segmenten.
 
Bereits 1810 gelang es einem Genfer Hersteller mittels einer speziellen Fräsmaschine den Spielkamm aus einem Stück Stahl herzustellen.
 
Was ist eigentlich ein Tonkamm?      
Er ist ein Objekt aus Stahl in der Form eines Kammes mit abgestuften Zähnen von kurz nach lang. Diese Zähne dienen als Tonzungen. Jede Tonzunge wird auf einen ganz bestimmten Ton gestimmt.
Zum Beispiel: C, Cis D, Dis, E, F usw.
 
Mit zunehmend tieferem Tönen vergrößerte sich die Länge der Tonzungen. Für Basstöne ergaben sich so unhandlich lange Zunge, so daß man die Spielwerke in großen Kästen hätte unterbringen müssen. Eine Abhilfe war das Anlöten von massiven Bleigewichten unter den Zungen, womit sich die Zungenlänge bedeutend verkürzen ließ.   
 
Erklärung für das Foto:
Gelber Pfeil  =  angelötetes Bleigewicht
Roter Pfeil    =  Dämpferfeder
Grüner Pfeil  =  Konischer Stift zum Festhalten der Dämpferfeder
 
Ein drehender Zylinder, der mit Stahlstiften besetzt ist, tastet diese Zungen ab und bringt sie in Schwingung, wodurch die Melodie entsteht. Abgebrochene Zungen sind also nicht so leicht zu ersetzten, da man den Ton kennen muss, auf welchen gerade diese Zunge ursprünglich gestimmt wurde.
 
Stiftwalzen         
Stiftwalzen haben den Vorteil, dass man sie seitlich verschieben kann. Das ermöglicht das Aufzeichnen von mehreren Melodien auf derselben Walze.
 
Ursprünglich sah man für die Stiftwalzen ein dünnes Messingrohr vor.
Bei den allerersten Spieldosen hatten die Stifte eine konische Form und steckten ohne weiteren Halt in den Löchern des Zylinders fest.
 
Bald entwickelte man eine wirtschaftlichere Methode. Man verwendete Stahldraht vom genauen Durchmesser der Löcher wobei man das Einführen durch Anfeilen erleichterte.
Hatte man die Stifte schon vorher zugeschnitten, so presste man sie mit einer Poussette in die Löcher und befestigte sie, in dem man eine dünne Schicht  Schellack in den Zylinder goss.
 
Zum Festsetzten der Stifthöhe montiert man den Zylinder auf seiner Achse und diese wiederum auf eine Drehbank. Mit Hilfe von Feile und Schleifstein, stutzte man die Stifte bis alle die richtige Höhe hatten.
Schon ein winziger Unterschied von 3/100 mm wirkt sich auf das Anzupfen der Tonzungen aus. Insgesamt eine Arbeit von grösster Präzision.
 
Die einzelnen Liedtitel sind im Abstand von ca. 0,4 mm  auf der Walze gestiftet.
Ist ein Lied zuende gespielt, bewegt sich der Zylinder also um 0,4 mm nach
rechts um das nächste Lied zu spielen, was höchste mechanische Präzision erfordert.
Diese Stahl-Stifte haben oft einen Durchmesser von nur 0,3 mm (!) und stehen ca. 1 mm (!) von der Walzenoberfläche hervor.
 
Die Anzahl der benötigten Stifte schwankt je nach Größe und Durchmesser eines Zylinders von 100 bis zu 30000, ja sogar 40000 Stück !
 
Bald fand man folgendes heraus: Goss man mehr Schellack in den Zylinder als nötig war, um die Stifte zu befestigen, so verbesserte das den Klang erheblich.
Der Zylinder tönte nicht mehr so spröde, womit unerwünschte Resonanzen gemeint waren. Und die Bässe wurden verstärkt da der Zylinder den Masse-Effekt der Platine unterstützte.
So "streckte" man die Füllmasse mit Stein- oder Ziegelstaub- eine Mischung, die den Namen "Zement" erhielt.
 
Ein großer Nachteil der Walzenspieldosen bestand jedoch in ihrem begrenzten Musikrepertoire. Meist spielt eine Walze 6 Musikstücke. Da die Walzen nicht austauschbar waren, musste man - war man der Musik überdrüssig - eine neue Spieldose kaufen. Ab 1885/86 erfand man aber die Plattenspieldose mit leicht wechselbaren billigen Platten. Damit war dieses Problem beseitigt.
 
 
Walzenspieldosen ab 1820
Ab etwa 1820 wurden Walzenspieldosen in der Form gebaut, wie sie heute kennen. Sie sind an ihrem schlichten Gehäuse zu erkennen, das nicht furniert ist. Der Kamm besteht nicht aus einem Stück, sondern aus einzeln verschraubten Zähnen und später aus Gruppen von 2 - 5 Zähnen.
Eine Datierungstabelle finden Sie hier -->   Wie man Blechplatten für Spieluhren repariert
 
Vor 1820 ist der bekannte einteilige Kamm nur selten zu finden. Ab etwa 1850 wird nur noch der einteilige Kamm eingebaut.
 
 Klick auf die Fotos zum Vergrößern
le_coultre_6_airs_cylinder_music_box.jpg
 
le_coultre_1840_4tunes.jpg
Frühe Le Coultre Musik Box
6 Musikstücke gestiftet, Schlüsselaufzug.
 
Frühe Le Coultre
Musik Box. Um 1840.
6 Musikstücke. Schlüsselaufzug.
Die Walzenspieldosen aus dieser Zeit zeichnen sich durch kleine Gehäuse aus, welche kaum größer als das Spielwerk sind.
Die Walzen sind meistens für vier, max. aber sechs Musikstücke gestiftet. Die Grundplatte ist aus poliertem Messing.
 
Walzenspieldosen ab 1840
Ca. um 1840 begann die industrielle Fertigung von Walzenspieldosen. Infolge der Konkurrenz wurden bedeutende Verbesserungen eingebaut - wie zum Beispiel Glocken und Trommeln.
 
Zu Beginn wurden diese "Zusatzinstrumente" versteckt
unter dem Spielwerk eingebaut.
 
Später waren sie dann sichtbar; oft hinter der
Walze angebracht.
Frühe Nicole Freres Spieldose mit "versteckter" Instrumentierung
um 1850. Trommel + Kastagnette
+ 6 Glocken.
4 Musiktitel gestiftet.
 
 
  Klick auf das Foto
nicole_freres_1850_versteckte_trommel_kastagnette_6_glocken_4_Titel.jpg
 
  Klick auf die Fotos
versteckte_glocken1_spiledose.jpg
versteckte_glocken2_spieldose.jpg
Spieldose mit 10 versteckten Glocken
und versteckter Blechtrommel.
Rätschenhebel, Zylinder 384x54 mm, 6 Melodien,
Kamm m. 106 Tönen, 10 Glocken m. 17 Schlegeln,
1 Blechtrommel (links) m. 10 Schlegeln.
Alles unter der Platine angeordnet.
> Alliez &Berguer - Genf um 1855 <
 
 
Walzenspieldosen ab 1870
Ab 1870 wurde die polierte Messinggrundplatte durch eine gerippte Gußeisenplatte abgelöst, welche mit Bronze- oder Silberfarbe angestrichen wurde.   
 
 
Die wohl bekanntesten Hersteller von Walzenspieldosen waren die Gebrüder Nicole (Nicole Frères).
 
Sie produzierten von 1815 bis 1903 Walzenspieldosen von gleich bleibend hoher Qualität, die alle mit dem Namen Nicole Frères im Kamm gekennzeichnet sind und eine Seriennummer in der Grundplatte tragen.
Frühe
Nicole Frères Spieldose
um 1835
mit 4 Musikstücken.
 
Walzenlänge nur 14 cm,
mit dem um diese
Zeit üblichen
Schlüsselaufzug.
nicole_freres_zylinder_14cm_4_melodien.jpg
Klick auf das Foto
 
Eine Datierungstabelle für Nicole Frères Walzenspieldosen
finden Sie hier --->   Wie man Blechplatten für Spieluhren repariert
 
nicole freres um 1870 6 titel 106 zaehne 28 cm walzenlaenge.jpg
nicole freres um 1870 6 titel 106 zaehne 28 cm walzenlaenge 2.jpg
Frühe Nicole Frères Spieldose
6 Titel gestiftet - Walzenlänge 28 cm -
Kamm mit 106 Zähnen.
Klick auf die Fotos
 
 
 
 
Klangbeispiel einer kleinen Walzen-Spieldose
 
 
Piano-Forte Spieldosen und deren Varianten
Eine raffinierte Neuerung war die sogenannte piano-forte-Spieldose.
Oder auch forte-piano Spieldose genannt.
Nicole Freres Forte Piano Music Box:  Video mit Ton
 
 
Um das Jahr 1840 führte man diese Art Spieldosen auch mit 2 Kämmen ein. Der eine Kamm tönt dabei laut (forte), während der andere leise (piano) klingt.
 
Dafür gab es verschiedene Möglichkeiten
music_box_piano_forte.jpg
  Klick auf das Foto
Piano-Forte Spieldose
hier mit 2 Tonkämmen.
4 Melodien - 111 Forte
und 58 Piano Tonzungen.
Fa. Metert & Langdorff
> Genf um 1848 <
1. Durch kurze Stifte beim leisen (piano) und lange Stifte beim lauten (forte) Kamm.
Das bewirkte natürlich ein unterschiedlich starkes Anzupfen der Tonzungen.
Die Kämme werden abwechselnd gespielt, was beachtliche Klangeffekte ergab. Bei besonders lauten Stellen des Musikstücks ließen sich beide Kämme zugleich anreißen. Um ein exakt gleichzeitiges Ansprechen zu erreichen, war eine besonders präzis ausgeführte Bestiftung nötig.
 
2. Beide Tonkämme werden durch gleich lange Stifte auch gleich stark angezupft. Der leise/piano Tonkamm hat aber leichtere Bleigewichte und dünnere Zungen, deshalb klingt er etwas leiser.
 
3. Diesen Spieldosen-Typ gab es häufig auch mit nur einem Kamm, das Prinzip war das gleiche. Die Tonzungen werden von langen und kurzen Stiften unterschiedlich stark angezupft, wodurch leise und laute Töne entstehen. Die Herstellung dieser Stiftzylinder mit unterschiedlichen Stiftlängen war ausgesprochen aufwendig (!)
 
Spieldosen mit zusätzlichen Glocken und Trommeln
Orchester-Spieldosen
Antique Musical Organ Box with 9 Bells and Drum:  
 
Außergewöhnliche Schweizer Spieldose
- Orchester-Spieldose -
6 Glockenhalbschalen,
Glockenhämmer als Chinesen,
Trommel u. Kastagnette,
2x Zither-Effekt und
pneumatische Harmonika.
> Schweiz/Genf um 1890 <
Ab etwa 1850 wurden in die Musikdosen noch Zusatz-Instrumente eingebaut.
Beliebt war der Einbau eines zusätzlichen Glockenwerks.   Die Glocken - meist in Halbschalenform - wurden von einem separaten Kamm -  ebenfalls über die Walzenstifte - gesteuert.
Manchmal waren es bis zu zwölf und mehr Glocken.        
 
 
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Encyclopedia of Automatic Musical Instruments
 
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 Klick auf die Fotos zum Vergrößern
Antique music box with bells: Video mit Ton
 
walzenspielwerk_glocken1.jpg
walzenspielwerk_glocken2.jpg
Walzenspieldose mit 7 Glocken, die Glockenhämmer
in Schmetterlingsform, auswechselbare Walze,
Zither-Effekt-Mechanik, Ratschenaufzug
Walzenspieldose mit 6 Glocken
Glockenhämmer in Schmetterlingsform
 
walzenspielwerk_3_chinesen.jpg        walzenspielwerk_3_chinesen_ausschnitt.jpg
 
orchesterspieldose_8titel_43zungen_trommel_3glocken.jpg
Walzenspieldose mit Glocken,
Trommel Liedanzeiger.
Glockenhämmer als Chinesen
Kleine Orchesterspieldose
8 Musiktitel - 43 Tonzungen
Trommel + 3 Glocken
spieldose_3_chinesen_01.jpg                 spieldose_3_chinesen_02.jpg
spieldose_3_chinesen_03.jpg        spieldose_3_chinesen_04.jpg
 
Walzenspieldose mit 6 Glocken und den beliebten Chinesen (mit beweglichem Kopf)
welche die Glockenhalbschalen anschlagen.
Foto re. unten ---> Die 6 Glocken werden von einem separaten Glockenkamm gesteuert.
 
Weitere Walzenspieldosen mit Glockenwerk gibt es hier zu sehen ---->   
 
 
 
Luftinstrumente
 
Weiteren Zusatzklang boten die voix céléstes - die sogenannten Engelsstimmen.
So bezeichnet man die Zungenpfeifen, die von einem Blasebalg mit Luft versorgt werden. Zur Ansteuerung dienen Stiftbrücken auf dem Zylinder.
Dieses Zusatzinstrument benötigt eine große Präzision bei der Herstellung und Montage. Auch Orgelpfeifen wurden in einzelne Spieldosen eingebaut.
 
 
Klick auf die Fotos
Die Kombination mit dieser - auch Harmonika genannten - Einrichtung war recht erfolgreich, wenngleich man sie heute im handelsüblichen Angebot alter Spieldosen nur noch selten findet.
 Antique Musical Organ Box with 9 Bells and Drum:  Video mit Ton
 
 
In der Mitte des Tonkamms gab es dazu eine Zungen-Sektion. Die Fotos auf der linken Seite zeigen sehr gut das Funktionsprinzip. Das mittlere Foto unten, zeigt den Blasebalg zur Luftversorgung.
 
Dazu war ein spezielles Gebläse nötig, welches durch dasselbe Federwerk angetrieben wurde, das auch die Stiftwalze drehte sowie die Schöpfbälge antrieb.
 
Walzenspielwerke mit eingebautem Harmonium kann man auch hier sehen.
       
zylinderspieldose_durchschlagende_zungen 1.jpg
zylinderspieldose_durchschlagende_zungen 2.jpg
 
engelsstimmen_spieldose3.jpg
engelsstimmen_spieldose2.jpg
 
 
 
engelsstimmen_spieldose1.jpg
Hier eine weitere sehr interessante und wertvolle
Orchestrion Flute Spieldose mit Zungenstimmen.
Völlig OHNE Tonzungen (!)
 
In der Mitte die Zungensektion für die Harmonika, die
Kämme links und rechts dienen zur Steuerung von
Glocken, Trommel und Kastagnetten.
 
- Vermutl. Sainte-Croix um 1890 -
Ratschenaufzug, Zylinder 175x62 mm,
10 Melodien mit Melodienanzeiger,
20 Zungenstimmen, 3 Glocken, Trommel, Kastagnette.
 
Zither oder Mandolineneffekt
Der Zither- oder auch Mandolineneffekt wird dadurch hervorgerufen, indem eine Rolle "Seidenpapier" in leichtem Kontakt mit dem melodiespielenden Tonkamm/Tonzungen gebracht wird.
 
In der Mitte des Tonkamms befindet sich dazu eine entsprechende Vorrichtung.
Das "Seidenpapier" wird durch die schwingenden Tonzungen angeregt, und schwingt entsprechend mit. (Ähnliches Prinzip wie das Kinderspielzeug Kamm mit Seidenpapier bespannt und ansummen)
 
Die folgenden 3 Fotos zeigen das sehr anschaulich.        
 
Diese Zither-Vorrichtung weist einen Hebel auf, mit welchem der Kontakt zum Tonkamm manuell hergestellt und wieder gelöst werden kann.
Dieses Akzessoire erschien erstmals bei hochwertigen Spieldosen, die Jaccard-Walther aus Sainte-Croix 1876 auf einer Ausstellung präsentierte.
Dieser Effekt ahmte also den Klang des populären Volksmusikinstruments nach.
 
 Paillard Bell and Drum Mandoline Expressive Antique Cylinder Music Box:  Video mit Ton
 
 
Dem Erfindungsgeist waren offensichtlich keine Grenzen gesetzt. Zum Schluß wurden raffinierte Konstruktionen mit zahlreicher Instrumentierung ersonnen, welche man auch Orchesterspieldosen nannte.
Es kamen kleine Trommeln, Orgelpfeifen, Glocken, Kastagnetten und Pauken und vieles mehr hinzu.
 
Dabei hatten diese techn. Zugaben mehr Schaucharakter. Klanglich waren sie von untergeordneter Bedeutung. Ja, es gibt Sammler alter Spieldosen, welche das zusätzliche "klappern" von Trommeln und Kastagnetten als unangenehm und störend empfinden.
Dennoch werden gerade diese Spieldosen heute sehr gesucht, und sind entspechend wertvoll und teuer (!)
 
 
Hier ein sehr schönes Beispiel einer Bremond Orchesterspieldose mit 33 cm Walze,
Trommel, Kastagnetten und 6 Glocken. Sechs Melodien pro Walze.   
 
 
 
 
 Klick auf die Fotos
walzenspielwerk_orchester1.jpg
 
walzenspielwerk_orchester2.jpg
Walzenspieldose
Piano - Forte mit
6 Glocken, Trommel
Spielt 8 Titel
Walzenspieldose
(Paillard Ste.Croix)
5 Glocken, Trommel,
Kastagnetten, Zither-Effekt. Spielt 12 Titel
 
walzenspielwerk_orchester3.jpg
 
walzenspielwerk_orchester4.jpg
Frühe Walzenspieldose mit
3 Glocken, Trommel, Kastagnetten
Walzenspieldose
mit 2 Glocken,
Trommel, Kastagnetten
 
 
Mit Münzeinwurf  engl. = Coin operated
 
 Klick auf das Foto
 
walzenspielwerk_mit_puppen.jpg
Geschäftstüchtige Restaurantbesitzer kamen auch auf die Idee mit der Musikdarbietung von Walzen-Spieldosen Geld zu verdienen.
 
Coin operated antique music Box:   Video mit Ton
 
 
Also konstruierte man einen entsprechenden Münzeinwurf.
Nach Einwurf des Geldes begann sich die Walze zu drehen.
 
Oder man ließ die "Puppen tanzen". Auf dem linken Foto sieht man
das Beispiel einer Spieldose mit drei - sich zur Musik drehenden - Püppchen.
 
Weitere Beispiele einer Walzen- Spieldose
mit Münzeinwurf kann man hier sehen. 
           
Sehr schönes Beispiel
eines kleinen 5-Pfg
Münzautomaten.
Kleines Tischgerät mit
Trommel und Glocken.
Vermutlich für Gaststätten !
 
Wechselbare Walzen / Interchangeable Cylinder Music Box
Ungefähr 1850 kamen die ersten Spieldosen mit auswechselbaren Walzen in den Handel. Dadurch erhielt der Käufer die Möglichkeit, auch später noch weitere Walzen mit neuen Melodien nachzubestellen.
Mermod Freres Interchangeable Cylinder Music Box: Video mit Ton
 
  Klick auf die Fotos
 
Multi Cylinder antique music boxVideo mit Ton
walzenspielwerk_wechselbare_walzen_mit_zither.jpg
walzenspielwerk_wechselbare_walzen.jpg
walzenspielwerk_wecheslbare_walzen.jpg
interchangeable cylinder paillard.jpg
Interchangeable Cylinder von Paillard
 
 
Diese auswechselbaren Walzen wurden gesondert für eine bestimme Spieldose angefertigt und mit dieser auch geliefert. Eine Austauschbarkeit mit den Walzen anderer Spieldosen war allerdings nicht gegeben.
 
 
 
Hier das Fotos eines Melodienzettels einer erstklassigen Walzen-Spieldose
um 1883 des Genfer Herstellers B.A. Brémond mit 4 austauschbaren Walzen.
 
 
Ein absolutes Top-Produkt damaliger Handwerkskunst kann man auf den folgenden 3 Fotos sehen.
 
         Walzenspieldose kompl. mit Aufbewahrungs-Tisch für sechs Walzen (!)
 
Mit austauschbaren Walzen befaßte sich hauptsächlich die Firma Mermod Fréres, wie man es
bei dieser schönen Walzenspiel-Dose sehen kann.   
 
Mermod Fréres legte schließlich großen Wert darauf, dass man die Walzen in allen Spieldosen
derselben Bauart abspielen konnte.
 
 
Revolver-Spieldosen
Ganz ausgeklügelt war das System der Revolver-Spieldose. Ähnlich einem Patronenlager waren hier drei, vier oder sechs Walzen kreisrund angeordnet.
 
Waren die sechs Melodien pro Walze abgespielt, drehte sich der
Mechanismus um eine Walze weiter.
 
Eine sehr schöne Detailansicht der Revolver-Mechanik kann man
auch hier sehen.  
 Klick auf das Foto
 
walzenspielwerk_revolver.jpg
 
 
Duplex-Spieldosen
Man stellte auch Spieldosen mit zwei Zylindern her. Dass zur Fertigung solcher Duplex-Dosen ganz besondere Präzision nötig war, muss wohl nicht speziell erwähnt werden.
 
Technische Zeichnung
der re. Spieldose   
 
Der Mechanismus besteht aus zwei
synchronisierten Spieldosen.
 
Die Verdoppelung bringt größere Lautstärke.
Da das Lagerspiel die Synchronizität beeinträchtigt,
ist die Wiedergabequalität nicht unbedingt
hervorragend. Es gibt verschiedene
Patente für Duplex-Dosen.
duplex_spieldose2.jpg
 
- Duplex Spieldose -
Doppeltes Werk m. Kurbelaufzug
und je zwei Federgehäusen.
Vernickelt, zwei identische
Zylinder a´ 330x62 mm
10 Melodien.
> Sainte-Croix um 1895 <
duplex_spieldose1.jpg
- Duplex Spieldose -
Zwei Zylinder 171x62 mm auf einer
Achse angeordnet. Ratschenaufzug.
10 Melodien - Zwei Tonkämme
a´ 30 Tonzungen
> Ami Rivenc, Genf um 1890 <
 
 
Plérodiénique-Spieldosen
Um auch Melodien spielen zu können, deren Länge mehrere Umdrehungen einer Walze benötigte, erfand man die sogenannte Plérodiénique-Spieldose.
 
Plérodiédique Spieldose,
2 Federgehäuse hintereinander,
Zylinder 442x62 mm, 2 Melodien auf
6 Umgänge, 2 Kämme
mit 79 und 78 Tönen.
Um 1890
plerodienique_spieldose1.jpg
plerodienique_spieldose2.jpg
 Klick auf die Fotos
Hier ist der Zylinder in der Mitte geteilt - eigentlich sind es zwei Walzen.
Die seitliche Verschiebung der beiden Walzenteile geschieht nun nicht gleichzeitig, sondern in einem bestimmten zeitlichen Abstand.
 
Eine Walze spielt, die andere wird in der Zwischenzeit seitlich verschoben. So können Melodien
bis zu sechs Umgängen ohne Unterbrechung abgespielt werden.
Dieses System wurde 1882 von A. Jeanrenaud für die Fa. Paillard patentiert.
 
 
Semihelicoidal-Spieldosen
Diese Spieldose erlaubt ein kontinuierliches Spiel über mehrere Umdrehungen des Zylinders. Die Stifte folgen dem Spurwechsel. Ein spezieller Mechanismus gestattet das Abstellen nach dem Ende jeder Melodie, obwohl diese jeweils mitten in einer Umdrehenung aufhören.
 
Am Ende der 6. Umdrehung wird durch eine spezielle Vorrichtung der Zylinder vom Tonkamm wegbewegt, um das Zurückkehren auf die 1. Spur zu ermöglichen. Ohne diese Bewegung würden die Zylindestifte den Tonkamm beschädigen.
 
 Klick auf das Foto
semihelicoidal_spieldose.jpg
 
Spieldose mit Semihelicoidal
gestiftetem Zylinder.
Zylinder 430x80 mm, drei unterschiedlich
lange Melodien auf 6 Umgänge,
2 Kämme mit 82 und 81 Tönen.
> Vermutlich Genf um 1890 <
 
 
Sublime-Harmonie Spieldosen
1874 ließ sich Charles Paillard die Sublime-Harmonie-Disposition patentieren. Diese bestand in zwei oder mehreren Tonkämmen, die jeweils eine vollständige Tonreihe enthalten.
Diese Tonkämme werden leicht verschieden - schwebend - gestimmt, so dass beim Zusammenklingen ein intensiver Klang entsteht.  Antique music box christmas tunes:  Video mit Ton
 
Sublime-Harmonie Spieldose
4 getrennte Tonkämme 37, 37, 24, 24 Töne.
Zylinder 432x61 mm, 8 Melodien.
Bei dieser Dose sind die beiden rechten Kämme
gleich gestimmt. (Sublime-Harmonie-Disposition)
 
Die beiden linken werden für die Akzentuierung
der Melodie gebraucht.
 
> J.H. Heller - Bern, um 1880 <
sublime_harmonie_spieldose.jpg
 Klick auf das Foto
Sublime-Harmonie Orchester Musikdose.
Hersteller: Mermod Frères in Ste-Croix ca. 1885
Werk vernickelt, 3 Chinesen schlagen auf 6 Glockenschalen.
Man sieht deutlich die 2 Kämme, der Sublime-Harmonie Mechanik.
Zylindergröße: 29 x 7 cm. Gehäuse: 65 x 38 x 32 cm.
sublime-harmonie.jpg
   Klick auf das Foto
 
 
Es ist unglaublich, was in dieser Zeit alles patentiert
und erfunden wurde....
 
Zum Beispiel der sogenannte "Fallschirm",          der bei einem Zahnradbruch das Werk sofort blockiert und zum Stillstand bringt.
Das war Jacot´s safety check - patented 22. sept. 1886
 
Oder der mechanische Geschwindigkeitsregler für eine stufenlose Veränderung der Geschwindigkeit. Der geräuschlose Aufzug, der Kurbelaufzug usw.......
 
Zylinderspieldose mit 56 cm langer Stiftwalze. 200 Kammzähne. Um 1860
Antique Music Box supermandoline full programme:     Video mit Ton
 
Große Musikdosen wurden zu Zehntausenden, kleinere zu Hunderttausenden hergestellt. Abnehmer fanden sich in allen Ländern der Erde. England, Russland, Amerika, China, Indien und der Orient gehörten zu den Kunden der begehrten schweizerischen Spieldosen.
 
Es ist erstaunlich, wie auch mit größter Selbstverständlichkeit chinesische oder indische Musik auf die Walzen gestiftet wurde. Musik, die doch bestimmt in den Ohren von Schweizern recht fremd klingen musste.
 
Bereits seit 1836 hatte St. Croix die Stadt Genf in der Produktion von Musikdosen überflügelt. Aber 1887 bekam der Höhenflug der Industrie einen ersten Dämpfer.
 
 
 
Die Lochplatten-Spieldose wurde erfunden
In Leipzig-Gohlis erfand 1886/87 Paul Lochmann die Lochplatten-Spieldose.
 
 
 
Dadurch wurde eine große Konkurrenz zur Walzen-Spieldose geschaffen, denn diese Erfindung vereinigte den Vorteil der Austauschbarkeit der Melodien mit bedeutend geringeren Herstellungskosten.
Die Fabrikation einer Lochplatte war um einiges einfacher und billiger als das Zeitraubende Bestiften einer Zylinderwalze.
 
Die Schweizer Konstrukteure aus St. Croix ließen sich aber nicht entmutigen und versuchten mit den Konkurrenten - vor allem aus Deutschland - mitzuhalten.
 
 Einen originalen Bericht der Zeitschrift
"Der Deutsche Instrumentenbau"
zu Polyphon Plattenspielwerken können Sie hier lesen. Klick auf die Button Leiste!
 
 
Eine andere Erfindung hatte dann allerdings eine noch viel einschneidendere Konsequenz als die Erfindung der Platten-Spieldose. Der Phonograph !
 
Entscheidend war, dass bereits 1877 Thomas Alva Edison den Phonographen als Patent anmeldete. Damit begann ein neues Zeitalter der Tonaufzeichnung.
 
Erstmals konnten Töne aufgenommem, und danach wiedergegeben werden. Wenn auch noch in erbärmlicher Qualität. Das war natürlich trotzdem eine Sensation.
Wer macht sich heute - im Zeitalter der digitalen Aufzeichnung auf CD´s und DVD´s - schon darüber Gedanken (!)
 
Und bereits 10 Jahre später -1887 - erfindet der deutschstämmige Amerikaner Emile Berliner das Grammophon. Die Schallplatten-Vervielfältigung mittels Schellack-Schallplatte erfand man in den Jahren 1892-95.
 
Nicht nur der Phonograph, auch die elektrischen Klaviere und Orchestrione begannen ihren Siegeszug - eine Industrie - die vor allem in Deutschland und den USA ansässig war und ihren Höhepunkt um das Jahr 1923 erreichte.
 
Doch die Krisenzeit der 30-iger Jahre brach auch dieser Industrie das Genick.
 
Interessanterweise ist sie heute völlig verschwunden, während die Spieldosenindustrie - wenn auch in sehr kleinem Rahmen - auch heute noch aktiv ist.
 
Am selben Ort, an dem früher für Fürsten, Kaiser und Könige Musikdosen hergestellt wurden, werden immer noch Spieldosen hergestellt. Wo?
 
 
    St. Croix in der Schweiz  ist auch heute noch ein Begriff für viele begeisterte Kunden in der ganzen Welt. Wenn Sie weiterlesen möchten wie es mit den Spieldosen bis zur heutigen Zeit weiterging, klicken Sie hier.    
 
 
  
 
 
 
 
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